Warum schmeckt Osmosewasser "anders"?

Der sensorische Kontrast-Effekt (auch Water Aftertaste Effect oder Speichel-Adaptation gennannt) beschreibt die stark subjektive und teils verzerrte Geschmackswahrnehmung von extrem reinem bzw. demineralisiertem Wasser (wie Osmosewasser), die primär durch den Zustand des eigenen Mundraums und der Geschmacksknospen bestimmt wird – und nicht durch das Wasser selbst.

Wie der Effekt funktioniert

Trinkt man normales Leitungs- oder Mineralwasser, maskieren die darin gelösten Mineralien (meist an Hydrogencarbonat gebundenes Calcium und Magnesium = Karbonathärte) feine Geschmacksnuancen und binden Stoffe im Speichel.

Reines Osmosewasser ist – etwa wie Regenwasser – chemisch nahezu „leer“ (extrem ungesättigt). Trifft dieses Wasser auf den Gaumen, passieren zwei Dinge:

  • Starke Lösungskraft im Mundraum: Das ungesättigte Wasser löst blitzschnell Rückstände von Speichelbestandteilen, Enzymen, Säuren oder zuvor verzehrten Lebensmitteln/Getränken von der Zunge und den Schleimhäuten.
  • Spiegelung des eigenen Körpermilieus: Man schmeckt bei sehr reinem Wasser oft nicht das Wasser selbst, sondern das, was sich im eigenen Mundraum befindet.

Typische Geschmackswahrnehmungen je nach Zustand

Weil das Wasser als neutraler Reflektor fungiert, nehmen verschiedene Personen dasselbe Osmosewasser völlig unterschiedlich wahr:

  • Sauer oder metallisch: Häufig bei leicht übersäuertem Körpermilieu, Kaffeekonsum kurz zuvor oder vermehrtem Mundsäurespiegel.
  • Bitter oder „chemisch“: Tritt oft auf, wenn die Geschmacksknospen an stark mineralisiertes Wasser gewöhnt sind oder Entgiftungs-/Stoffwechselprozesse über den Speichel wahrgenommen werden.
  • Süßlich oder seidig: Tritt meist ein, wenn sich der Mundraum an das weiche Wasser gewöhnt hat und der Speichel neutral reagiert.

Bedeutung in der Praxis

Der Kontrast-Effekt erklärt, warum zwei Personen am selben Tag aus derselben Osmoseanlage trinken können und Person A sagt: „Das schmeckt wunderbar weich und süßlich“, während Person B empfindet: „Das schmeckt bitter, fremd oder chemisch“.

Nach einigen Tagen regelmäßigen Konsums passt sich die Zusammensetzung des Speichels in der Regel an, wodurch das Wasser von den allermeisten Menschen als absolut neutral und angenehm wahrgenommen wird.